Weltgesundheitstag
Am 7. April 1948 wurde die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gegründet als Sonderorganisation der Vereinten Nationen (UN) mit zunächst 84 Mitgliedsstaaten und Sitz in Genf. Zur Erinnerung daran wird jedes Jahr am 7. April der Weltgesundheitstag begangen.
Die von der WHO formulierten Themen des Weltgesundheitstages sollen auf internationaler, nationaler und lokaler Ebene das Interesse auf ein bestimmtes gesundheitliches Anliegen richten. Für Deutschland führt die Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung e.V in Abstimmung mit dem zuständigen Bundesministerium für Gesundheit dazu jährlich eine zentrale Veranstaltung durch.
In Bayern sind die Weltgesundheitstage ein Schwerpunkt der Arbeit der LZG seit ihrer Gründung im Jahr 1974. Ihre Veranstaltungen zum Weltgesundheitstag sind Anlass, das von der WHO vorgegebene Motto von verschiedenen Seiten zu beleuchten und in seiner Bedeutung für die Region zu interpretieren. Damit will die Landeszentrale Informationen zum Thema und Impulse für praktisches Handeln für ganz Bayern geben.
In der Schriftenreihe der LZG sind die Beiträge der Veranstaltungen dokumentiert. Sie sind in der Regel kostenlos über das Bestellsystem der LZG zu beziehen. Einige Bände stehen darüber hinaus im Download-Bereich zur Verfügung.
Weltgesundheitstag 2010
Gesundheit in der Stadt
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ruft anlässlich des Weltgesundheitstages 2010 auf, das Leben in Städten gesundheitsfördernd zu gestalten. Die insgesamt 315 Städte in Bayern bieten dafür in der Regel gute Voraussetzungen, sie verfügen über gut ausgebaute Infrastrukturen und Verwaltungen, über medizinische Versorgung und Bildungseinrichtungen sowie über elementare Dienste wie Trinkwasserversorgung, Abwasser- und Abfallentsorgung.
Dennoch sind die Chancen, die individuell mögliche Gesundheit in ihrer Stadt zu erreichen, nicht für alle Bewohner gleich, Unterschiede ergeben sich vor allem aus sozialer Ungleichheit. Menschen in prekären Lebenslagen sind in Arbeits- und Lebenswelt häufigeren und größeren Risiken und Belastungen ausgesetzt, vielen fehlen die Befähigung und der Handlungsspielraum für ein gutes Gesundheitsverhalten, das heißt für die Vermeidung bzw. Bewältigung belastender Einflüsse. Daraus ergibt sich ein höheres Risiko, zu erkranken, und im Vergleich zu sozial besser situierten Männern und Frauen ist die durchschnittliche Lebenserwartung um Jahre verkürzt. Dieser "Sozialgradient" spiegelt sich in den Städten wider, deren Viertel von exklusiven Geschäfts- und Bürostraßen über unterschiedliche Wohnsiedlungen mit mehr oder weniger wohlhabenden Bürgern bis hin zu sozialen Brennpunkten reichen. "Soziale Brennpunkte als konzentrierte Manifestation von Armut und Ausgrenzung sind wachsende Herausforderungen für sozial orientierte Stadtentwicklungen und Gesundheitspolitik", sagt der LZG-Vorsitzende Prof. Johannes Gostomzyk: "Ausgrenzung behindert gesunde Entwicklungen". Dies betrifft Kinder und Jugendliche ebenso wie ältere Menschen, Arbeitslose und Menschen mit Migrationshintergrund in schwieriger Lebenssituation.
Ausgrenzung vermeiden, Entwicklungsmöglichkeiten fördern
Gesundheit fördern bedeutet, Belastungen senken und Kräfte ("Ressourcen") für die Bewältigung belastender Einflüsse stärken. Voraussetzungen sind ein ausreichendes Einkommen sowie persönliche Kompetenzen, Bildung, unterstützende soziale Netze und gesellschaftliche Teilhabe. Auf kommunaler Ebene gibt es vielfältige Angebote, die eine gesundheitsförderliche Lebensweise unterstützen, so in Kindergärten und Schulen, Betrieben, Senioreneinrichtungen oder Sportvereinen.
Menschen in prekären Lebenslagen ist selektiv verstärkte Aufmerksamkeit zu widmen, um ihre verminderten Gesundheitschancen auszugleichen. Dazu sind entsprechend ausgerichtete Aktivitäten erforderlich, zum Beispiel Schul- oder Stadtteilprojekte für Kinder und Jugendliche, Bildungs- und Sportangebote, die aufsuchende Arbeit von Familienhebammen, Mehrgenerationenhäuser und zunehmend wichtiger bürgerschaftliches Engagement wie Patenschaften, "Nachbarschaftsgärten" und anderes. Erfolgreiche Projekte können Vorbild für andere Gemeinden sein. Der "Regionale Knoten Bayern zur Gesundheitsförderung bei sozial Benachteiligten" in der LZG sammelt derartige Berichte (bundes- und landesweite Datenbanken unter www.gesundheitliche-chancengleichheit.de, www.lzg-bayern.de).
Netzwerke für mehr Gesundheit
Der Regionale Knoten setzt sich auch für eine Gesundheitsförderung in Stadtteilen mit besonderem Entwicklungsbedarf ein. In Bayern gibt es derzeit 65 Gemeinden mit insgesamt 97 Quartieren, die im Rahmen des Bund-Länder-Programms "Soziale Stadt" gefördert werden.
Gesundheitsförderung in benachteiligten Stadtvierteln erfordert gemeinsames Handeln: Es gilt, Netzwerke zu bilden, in denen sich Einrichtungen des Gesundheitswesens, Kindertagesstätten, Schulen, Kommunalverwaltung, Selbsthilfeeinrichtungen, Bürgerzentren und vor allem die Bürgerinnen und Bürger selbst für gesundes Leben im Stadtteil einsetzen. "Kommunikation schafft soziale Räume", betont Gostomzyk: "Gesundheitsförderung im Quartier heißt in erster Linie, ohne Verkennung der Bedeutung materieller Grundvoraussetzungen, seine Bewohner als Gemeinschaft, als soziales System der Nachbarschaft mit gegenseitiger Verantwortlichkeit zu entwickeln".
Die Weltgesundheitsorganisation hat bereits 1986 Gesundheitsbildung und Gesundheit in einer für das diesjährige Motto zum Weltgesundheitstag "1000 Cities – 1000 Lives" noch immer aktuellen Fassung definiert:
"Gesundheit wird von Menschen in ihrer alltäglichen Umwelt geschaffen und gelebt: Dort wo sie spielen, lernen, arbeiten und lieben. Gesundheit entsteht dadurch, dass man sich um sich selbst und für andere sorgt, dass man in die Lage versetzt ist, selber Entscheidungen zu fällen und eine Kontrolle über die eigenen Lebensumstände auszuüben, sowie dadurch, dass die Gesellschaft, in der man lebt, Bedingungen herstellt, die all ihren Bürgern Gesundheit ermöglichen." (WHO, Ottawa-Charta)
Weitere Informationen zum Weltgesundheitstag:
www.who.int/world-health-day/en
www.weltgesundheitstag.de
|
Weltgesundheitstag 2009 "Maßnahmen des Gesundheitswesens im Katastrophenfall" |
 |
mehr ...
|
Weltgesundheitstag 2008 "Globaler Klimawandel und Gesundheit" |
 |
mehr ...
|
Weltgesundheitstag 2007 "Gesund bleiben – sich vor Infektionskrankheiten schützen" |
 |
mehr ...
|
Weltgesundheitstag 2006 "Menschen für Gesundheit – Die Gesundheitsberufe" |
 |
mehr ...
|
Weltgesundheitstag 2005 "Mutter und Kind – Gesundheit von Anfang an" |
 |
mehr ...
|
Weltgesundheitstag 2004 "Sicher fahren – gesund ankommen" |
 |
mehr ...
|
Weltgesundheitstag 2003 "Gesunde Umwelt – gesunde Kinder" |
 |
mehr ...
|
Weltgesundheitstag 2002 "Gesund leben – in Bewegung bleiben" |
 |
mehr ...
|
Weltgesundheitstag 2001 "Psychische Gesundheit –
erhalten & wiederherstellen" |
 |
mehr ...
|
Weltgesundheitstag 2000 "Blut & Plasma spenden –
Leben und Gesundheit sichern" |
 |
mehr ...
|
|