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HIV und AIDS: Daten zur Situation in Bayern

Ende des Jahres 2012 leben in Deutschland 78.000 HIV-positive Menschen, schätzungsweise 10.000 von ihnen in Bayern. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Zahl der Neuinfektionen mit dem HI-Virus hier nur leicht verändert, 2011 gab es 400 Fälle, 2012 wird mit 410 Fällen gerechnet (RKI, HIV/AIDS in Bayern - Eckdaten der Schätzung, Ende 2012). Bundesweit ist ebenfalls eine leichte Steigerung zu verzeichnen, in ganz Deutschland werden 3.400 neue HIV-Infektionen erwartet.

HIV-Neudiagnosen in Bayern

RKI, SurvStat, und RKI, Eckdaten zu HIV/AIDS in Bayern, Stand Ende 2012 (Die Werte für 2012 sind Schätzwerte.)

Etwa 1.800 Menschen in Bayern leben mit einer HIV-Infektion, ohne davon zu wissen, schätzt das RKI. Dies bereitet Sorge, denn wird eine HIV-Infektion früh diagnostiziert, kann auch die Behandlung früh beginnen und ihre Erfolgsaussichten sind günstig. Bei einer späten Diagnose, wie sie in Bayern im vergangenen Jahr bei 130 Menschen gestellt wurde (RKI, Eckdaten HIV/AIDS für Bayern, Ende 2012), ist die Beeinträchtigung des Immunsystems durch HIV schon weit fortgeschritten. Dies bedeutet eine eine weitaus größere Belastung für die Betroffenen und geringere Erfolgschancen für die Behandlung. Zugleich ist eine unerkannte HIV-Infektion ein Risiko für Partner oder Partnerin - Der Schutz vor einer Übertragung hat höchste Bedeutung!

Darstellung der Infektionswege bei HIV-Neudiagnosen in Bayern als Kreisdiagramm

Quelle: RKI, Eckdaten zu HIV/AIDS in Bayern, Stand Ende 2012
Legende:
MSM: Männer, die Sex mit Männern haben
IVDA: Intravenös (i.v.)-Drogenabhängige
Hetero: Heterosexuelle Kontakte

Noch immer sind Männer mit gleichgeschlechtlichen Sexualkontakten am häufigsten von HIV-Infektionen betroffen; rund 76% der Fälle in Bayern wie auch bundesweit sind Männer, die Sex mit Männern haben (MSM). Etwa 19% der neu Infizierten haben sich durch heterosexuelle Kontakte angesteckt, knapp 5% beim i.v.-Drogengebrauch. Die Zahl der Kinder, die sich vor, während oder nach ihrer Geburt über ihre Mutter mit dem HI-Virus infiziert wurden, ist sehr gering, das RKI rechnet für ganz Deutschland mit weniger als zehn Fällen im Jahr 2012.

Und auch wenn die Erfolge in der medikamentösen Behandlung groß sind: Noch immer sterben Menschen an den Folgen einer HIV-Infektion, 80 waren es im Jahr 2012 in Bayern. Insgesamt gab es hier seit Beginn der HIV-Epidemie 3.600 Todesfälle, in ganz Deutschland waren es etwa 27.000.

Bundesweit …

rechnet das RKI für 2012 mit etwa 3.400 Neuinfektionen, das wären etwa 100 mehr als im Jahr 2011 und ca. 250 mehr als im Jahr 2010.

Die Gesamtzahl der mit HIV lebenden Menschen steigt seit Mitte der Neunzigerjahre und wird auch in den kommenden Jahren weiter ansteigen, da seit der Verfügbarkeit wirksamer Therapien für die HIV-Infektion die Zahl der jährlichen Neuinfektionen höher ist als die Zahl der Todesfälle. Das Robert Koch-Institut schätzt, dass mittlerweile etwa 50.000 Menschen in Deutschland eine HIV-Therapie erhalten und von den weiteren circa 28.000 Infizierten etwa 14.000 Betroffene noch nichts von ihrer Infektion wissen.

RKI, 26.11.2012

Einen Grund für die steigende Zahl der Neuinfektionen sieht das RKI auch in der Zunahme anderer sexuell übertragbarer Erkrankungen, insbesondere der Syphilis, die eine Weiterübertragung von HIV begünstigen. "Der leichte Anstieg seit 2011 hängt wahrscheinlich mit dem erneuten deutlichen Anstieg der Syphiliszahlen seit Anfang 2010 zusammen. Eine schnelle Diagnose und Behandlung von Syphilis und anderen sexuell übertragbaren Infektionen kann daher dem Anstieg der HIV-Neuinfektionen entgegenwirken" (RKI, 26.11.2012).

AIDS im öffentlichen Bewusstsein

Wie stark sind HIV und AIDS im Bewusstsein der Bevölkerung verankert? Dieser Frage geht die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) seit 1987 in der Untersuchung „AIDS im öffentlichen Bewusstsein in der Bundesrepublik Deutschland“ nach, für die jährlich mehrere tausend Personen zu „Wissen, Einstellungen und Verhalten zum Schutz vor AIDS“ repräsentativ befragt werden. Die Befragungen der letzten Jahre zeigen, dass der Kenntnisstand zu HIV-Übertragungswegen nach wie vor auf einem sehr hohen Niveau liegt: Nahezu die gesamte Bevölkerung – rund 99 Prozent der über 16-Jährigen – hat das zum Schutz vor AIDS notwendige Basiswissen (2008). Die Bereitschaft, sich bei Sexualkontakten mit Kondomen zu schützen, hat im Vergleich zum Beginn der AIDS-Aufklärung das bisher höchste Niveau erreicht: Der Anteil der unter 45-jährigen Alleinlebenden, die bei Sexualkontakten immer, häufig oder gelegentlich Kondome verwenden, betrug 2011 80 Prozent (1988: 58 Prozent). 18 Prozent dieser Gruppe berichteten allerdings, niemals Kondome zu verwenden (2011).

Die Berichte „AIDS im öffentlichen Bewusstsein in der Bundesrepublik Deutschland“ sind abrufbar bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.