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"Der Klang meines Körpers" - Kreative Wege aus der Ess-Störung

Ein Projekt zur Prävention von Ess-Störungen mit mehreren Modulen

Anlass

Ess-Störungen bei Jugendlichen haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Längst sind Erkrankungen wie Magersucht, Bulimie oder Ess-Sucht nicht mehr nur das Thema von Ärzten und Therapeuten, sondern Gegenstand der öffentlichen Diskussion. Ess-Störungen aus der Anonymität herausholen, der Erkrankung ein Gesicht geben und die Sprachlosigkeit überwinden, sind Idee und Hintergrund zur Entstehung dieses Projektes mit den Modulelementen Wanderausstellung, Seminare, Begleit- und Arbeitsmaterial. Die Brisanz des Themas macht Aufklärung und Prävention für die betroffenen Altersgruppen und Hilfestellung für Pädagoginnen und Pädagogen unerlässlich.

Im Rahmen einer musiktherapeutischen Gruppe haben fünf betroffene junge Frauen zusammen mit ihrer Musiktherapeutin, einer Graphikerin und mit Unterstützung durch Fachinstitutionen eine interaktive Ausstellung über Ess-Störungen entwickelt und gestaltet. In deren Mittelpunkt stehen die betroffenen Mädchen und Frauen selbst mit ihren Porträts, Texten und ausgewählten Musikstücken. Gerade dort, wo Worte fehlen, können Bilder und Musik stellvertretend "sprechen".

Die innovative Qualität des Projektes ist die Arbeit mit dem kreativen musiktherapeutischen Ansatz. Das Projekt ist insofern sowohl therapeutische Intervention als auch ein ganzheitlich präventiver Ansatz. Das Projekt betont die Ressourcen und Stärken, die in den Erkrankten schlummern und im kreativen Prozess geweckt werden. Das Entdecken und Erleben der eigenen Kreativität trägt zur Überwindung der Erkrankung bei. Ohne die Sachinformationen zu vernachlässigen, wird das Thema Ess-Störung nicht im Fokus der Symptomorientierung, sondern aus einem ressourcenorientierten Ansatz heraus bearbeitet. In den Seminaren werden Multiplikatorinnen und Multiplikatoren fachlich geschult, der ganzheitliche Ansatz vermittelt, die Notwendigkeit von Kooperation und Vernetzung betont und die Arbeit mit Schüler- und Jugendgruppen in der Ausstellung vorbereitet.

Projektziel

Ein zentrales Ziel des Projektes lässt sich am besten durch ein Zitat der betroffenen Frauen beschreiben: "Wir möchten unsere gesammelten Erfahrungen und die wieder gewonnene Hoffnung an andere weitergeben. Über Collagen, Texte und Musik wollen wir Betroffene und Interessierte direkt, aber sensibel ansprechen und gleichzeitig aufzeigen, dass in jedem Menschen Kreativität als Lösungspotential schlummert". Neben diesem Ziel, einen Einblick in die Innenwelt von essgestörten jungen Frauen zu gewinnen, geht es in dem Projekt auch darum, generell über Ess-Störungen zu informieren und Ess-Störungen vorzubeugen. Ein weiteres Ziel ist die fachliche Fortbildung von pädagogischem Personal, insbesondere von Lehrkräften und Mitarbeitern der Jugendhilfe als Multiplikatoren. Des Weiteren ist die Initiierung und Förderung von Netzwerken zwischen Eltern, Lehrerinnen und Lehrern, fachkompetenten Stellen, Selbsthilfegruppen etc. ein zentrales Anliegen des Projektes. Dies insbesondere, um Nachhaltigkeit in der Prävention zu gewährleisten.

Maßnahmen und Umsetzung

Das Projekt besteht aus drei Modulen:
I. Ausstellung
II. Seminare
III. Begleit- und Arbeitsmaterial

I. Ausstellung

AUßENKREIS: WENN DER KÖRPER VERSTIMMT IST

Der Außenkreis der Ausstellung umfasst fünf informative Ausstellungstafeln, die unterschiedliche Aspekte von Ess-Störungen thematisieren.

  • Hintergrundinformationen zum Projekt
  • Probleme mit dem Essen? Was kann dahinter stecken?
    Ursachen und Auslöser für die Entstehung von Essstörungen.
  • Signale werden gegeben, um erkannt zu werden.
    Anzeichen, die auf eine Ess-Störung hinweisen.
  • Bitte nicht füttern ... denn ich habe Hunger nach:
    Vom emotionalen Hunger bei Ess-Störungen.
  • Du kannst es schaffen! Wege aus der Ess-Störung.

INNENKREIS UND HÖRSTATION: SEELENKLÄNGE

Während im Außenkreis erforderliche und hinführende Informationen zu Ess-Störungen gegeben werden, tauchen die Besucher im Innenkreis in die Welt der Betroffenen ein.

Porträts

Neben einer Hörstation und fünf Schatzkisten bilden die Porträts den Innenkreis der Ausstellung. Diese fünf Porträts verstehen sich als Fenster, durch die den Besuchern ein sehr persönlicher Einblick in das Innenleben der jungen Frauen gewährt wird. Die Bilder und Texte erzählen von ihren Ängsten, Nöten, Sehnsüchten und Wünschen und lassen die Komplexität der Erkrankung erkennen.

Hörstation:

Satte Klänge Musik als "Sprache der Gefühle" lässt in uns leichter innere Bilder und Stimmungen entstehen. Seinen (Lebens-)Rhythmus finden, Trauer, Mut und Perspektiven zum Ausdruck zu bringen und hörbar zu machen: das alles kann Musik. An fünf Kopfhörern können sich die Besucher Musikstücke anhören, die die betroffenen Frauen zu ihrem jeweiligen Porträt ausgewählt haben; anonym genug und doch so persönlich, dass jeder Besucher/jede Besucherin eigenen Gedanken, Empfindungen, Wünschen und Ängsten nachspüren kann.

Schatzkisten:

Mit sich in Einklang kommen Unterhalb der Porträts befinden sich fünf Schatzkisten. Diese selbst gestalteten Schatzkisten enthalten unterschiedlichste Materialien, die Wege aus der Ess-Störung aufzeigen und gleichzeitig einladen, sich mit der Frage auseinander zu setzen, wie man Ess-Störungen bereits im Vorfeld entgegenwirken kann.

II. Seminare

Die Seminare für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren sind als Lehrerfortbildungsmaßnahme vom Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus anerkannt. Für Institutionen, die die Ausstellung ausleihen möchten, ist die Teilnahme an einem Seminar verpflichtend. Hiermit soll die fachliche Qualität der Ausstellungsarbeit gewährleistet werden und ein "bloßes Ausleihen" vermieden werden. Neben dem obligatorischen Besuch eines Seminars wird beim Verleih der Ausstellung darauf geachtet, dass vom Entleiher Kooperationspartner vor Ort vorhanden sind und eine Vernetzung verschiedener Gruppen angestrebt wird. Neben Vertretern der ausleihenden Institutionen können selbstverständlich auch interessierte Personen (Lehrer, Eltern, Klinikpersonal, Vertreter von Selbsthilfegruppen etc.) an den Seminaren teilnehmen.

Die Inhalte des Seminars gliedern sich in folgende Punkte:

  • Ursachen und Auslöser für die Entstehung einer Ess-Störung
  • Früherkennung
  • Leitfaden für den Umgang mit betroffenen Angehörigen
  • Hilfestellung für Betroffene, Möglichkeiten und Grenzen
  • Ressourcenorientiertes Arbeiten mit Schülern und Schülerinnen
  • Einführung in die Bedeutung kreativer Medien für das Projekt
  • Gestaltung von Unterrichtseinheiten und Projekttagen
  • Entwicklung eines individuellen Präventionskonzeptes für den Schulalltag

III. Begleit- und Arbeitsmaterial

Musiktherapeutisches Gruppenprogramm

Das Gruppenprogramm bildet den musiktherapeutischen Hintergrund zur Ausstellung und stellt die Bedeutung kreativen Handelns zur Überwindung und Prävention von Ess-Störungen in den Mittelpunkt. Das Programm richtet sich vornehmlich an Fachkräfte, die in Beratung und Therapie mit essgestörten Personen zusammenarbeiten.

Arbeitshandbuch zur Ausstellung

Das Arbeitshandbuch richtet sich an Pädagoginnen und Pädagogen. Es enthält wichtige Informationen zu Ess-Störungen und gibt Anregungen, wie das Thema aktiv in den Unterricht integriert werden kann. Ebenso ist es zur Nacharbeit mit Gruppen geeignet, die die Ausstellung besucht haben, da es die Inhalte der Ausstellung aufgreift und Kopiervorlagen enthält. Wie im Gruppenprogramm wird auch hier der kreative, musiktherapeutische Ansatz betont, der das Projekt elementar von bekannten Programmen zur Prävention von Ess-Störungen unterscheidet.

Informationsheft für Jugendliche

Der Ausstellung liegt ein Informationsheft für Jugendliche im CD-Format bei, das die komplette Ausstellung und das gesamte Thema Ess-Störungen nochmals aufbereitet. Insbesondere kommen dort die betroffenen Frauen zu Wort, die die Ausstellung wesentlich mitkonzipiert haben. Persönliche Gedanken zu den einzelnen Porträts und den Musikstücken stellen noch einmal eine Verbindung zwischen den Besuchern und den betroffenen Frauen her. Das sehr farbenfroh und persönlich gestaltete Heft versteht sich als "Geschenk" an die Besucherrinnen und Besucher und als ein "Schatz", auf den immer wieder zurückgegriffen werden kann. (Betroffene oder interessierte Jugendliche können auch in einem E-Mail-Portal Kontakt zu den jungen Frauen oder der Therapeutin aufnehmen.)

CD Rom

Auf der CD Rom befinden sich sämtliche Bilder der Ausstellung, so dass mit diesem Medium, in Verbindung mit dem Arbeitsheft, das Thema Ess-Störungen nachhaltig in Klassen oder Jugendgruppen weiter bearbeitet werden kann.

Qualitätssicherung und Evaluation

Um eine Qualitätssicherung zu erreichen, ist der Besuch eines Seminars für mindestens eine Person der ausleihenden Institution verbindlich. Ebenso wird Wert darauf gelegt, dass die Ausstellung mit mindestens einem Kooperationspartner vor Ort präsentiert wird. Hiermit soll einem reinen Ausstellungsevent vorgebeugt werden. Durch die Seminare wird eine fachliche Fortbildung gewährleistet und durch die Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern eine Vernetzung vor Ort gefördert. Sowohl die Ausstellungstermine als auch die Seminare werden evaluiert. Um die Qualität und die Nachhaltigkeit zu erhöhen, ist die Ausbildung regionaler Ansprechpartner geplant. Des Weiteren ist die Dopplung der Ausstellung für den Aufbau einer Projektregionalstelle in Nordrhein-Westfalen in Planung. Für den Raum Düsseldorf/Köln wurden bereits erste Kontakte zu interessierten Institutionen aufgenommen.

Ressourcen, Finanzierung

Das Projekt wird logistisch und organisatorisch vom Landratsamt Bamberg, Abt. Gesundheitswesen, begleitet. Finanziell wird es durch Haushaltsmittel des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz im Bereich Prävention, den Suchtarbeitskreis Bamberg sowie durch Verleih- und Seminargebühren gefördert und unterstützt. Dank vieler Sponsoren konnte das Projekt im Vorfeld zügig realisiert werden. Unser Dank gilt an dieser Stelle der Oberfrankenstiftung, der Stadt Bamberg, dem Caritasverband für die Erzdiözese Bamberg e.V., dem Erzbistum Bamberg – Fachbereich Familie, der Deutschen Gesellschaft für Musiktherapie sowie dem Suchtarbeitskreis des Landratsamtes Bamberg. Nicht zuletzt gilt ein Dank der Grafikerin Christine Kaufmann für die wunderbar einfühlsame, gestalterische Umsetzung der Ausstellungselemente und Materialien.

Kontakt

Landratsamt Bamberg, Abteilung Gesundheitswesen
Ansprechpartner: Lothar Riemer (Projektbegleitung)
Ludwigstraße 25, 96052 Bamberg
Tel. 0951-856 51
lothar.riemer@lra-ba.bayern.de

Stephanie Lahusen (Projektleitung)
Schmitzberg 49, 40667 Meerbusch
Tel. 02132-1318620
info@klang-meines-koerpers.de
www.klang-meines-koerpers.de

Stand der Projektinformation: 2007