Kriterien guter Praxis
Wie können Qualität und Wirksamkeit von gesundheitförderlichen Projekten beurteilt werden? Der beratende Arbeitskreis des Kooperationsverbundes Gesundheitsförderung bei sozial Benachteiligten bei der BZgA hat "Kriterien guter Praxis" festgelegt, die es ermöglichen sollen, besonders förderungswürdige Ansätze zu erfassen.
Kriterien guter Praxis in der Gesundheitsförderung bei sozial Benachteiligten
- Konzeption, Selbstverständnis
es liegt eine Konzeption vor,
a) aus der ein klarer Zusammenhang zu Gesundheitsförderung und / oder Prävention hervorgeht sowie eine hierauf basierende Zielformulierung
b) in der die Verminderung der gesundheitlichen Ungleichheit explizit und systematisch angestrebt wird. - Zielgruppe
Die Zielgruppe der sozial Benachteiligten ist präzise eingegrenzt und gehört zu einer oder mehreren der sozialen Gruppen oder Lebenslagen, die im Erhebungsinstrument aufgelistet sind. Es ist zu prüfen, inwieweit diese Zielgruppe auch tatsächlich erreicht wird. - Innovation und Nachhaltigkeit
Das Projekt hat innovativen Charakter bzw. innovative Aspekte und strebt die kontinuierliche, das heißt nachhaltige Fortführung erfolgreicher Projektkomponenten an. Sowohl der innovative Charakter ("neue Problemlösungen", "Neues Lernen für Andere") als auch die Kontinuität können Hinweise auf "Good Practice" sein, stehen manchmal jedoch in einem Spannungsverhältnis zueinander. - Multiplikatorenkonzept
Es liegt ein Multiplikatorenkonzept vor, das MulitplikatorInnen systematisch einbindet und ggf. qualifiziert. - Arbeitsweise
Das Projekt bzw. Angebot ist niedrigschwellig, aufsuchend, begleitend und / oder nachgehend. - Partizipation
Es besteht ein hoher Grad an Beteiligungsmöglichkeiten für die Zielgruppe sozial Benachteiligter. - Empowerment
Es erfolgt eine Befähigung und Qualifizierung der Zielgruppe sozial Benachteiligter, die auf den Stärken und Ressourcen der Zielgruppe aufbaut. Besondere Bedeutung hat die Vermittlung von Fähigkeiten, die auch themenübergreifend Effekte in anderen gesundheitsrelevanten Bereichen zeigt. - Settingansatz
Die Aktivitäten des Projekts integrieren Initiativen, die sowohl auf Gesundheits-handeln von Personen als auch auf strukturelle Änderungen abzielen und sich am Settingansatz der WHO orientieren.
Die Bereiche "Personen / individuelles Verhalten" einerseits und "Bedingungen / Verhältnisse" andererseits sind miteinander verknüpft im Sinne eines integrierten Handlungskonzeptes oder lebensweltbezogenen Konzeptes. - Integriertes Handlungskonzept / Vernetzung
Es findet eine Ressourcenbündelung und fachübergreifende Zusammenarbeit statt, die einem integrierten Handlungskonzept entsprechen. Die Umsetzung des Konzeptes erfolgt gemeinsam mit den anderen Akteuren im lokalen Umfeld, d.h. es erfolgt eine Abstimmung und Vernetzung im Sozialraum. - Qualitätsmanagement / Qualitätsentwicklung
Im Projekt besteht ein Qualitätsmanagement / eine Qualitätsentwicklung im Sinne eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses, d.h. Qualität wird nicht als einmal geschaffener Wert betrachtet, sondern wird in allen Bereichen (Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität) immer wieder überprüft, verbessert und entwickelt. - Dokumentation und Evaluation
Dokumentation und Evaluation werden im Projekt zur Qualitätsentwicklung eingesetzt. - Kosten-Nutzen-Relation
Die Kosten stehen in einem angemessenen Verhältnis zum Nutzen. - Begründung für Good Practice
Das Projekt (bzw. die Maßnahme) gibt selbst eine Begründung für die Aufnahme in die Liste der "Good Practice"-Beispiele.
Weitere Informationen
Mehr zu "Good Practice"
Weitere Informationen zu den Kriterien guter Praxis für Projekte zur Gesundheitsförderung bei sozialer Benachteiligung gibt es unter
Material
Gesundheit fördern - Qualität sichern
GiB-Sonderheft 2010-1

Welche Methoden der Qualitätssicherung sind für Projekte zur Gesundheitsförderung geeignet, welche Erfahrungen gibt es in der Praxis?
Die Dokumentation des Forums Gesundheitliche Chancengleichheit der LZG stellt Vorgehensweisen und Beispiele vor und gibt wichtige Anregungen für die praktische Arbeit.
Kooperationsverbund zur Gesundheitsförderung bei sozial Benachteiligten
Mehr als 50 Partner sind im bundesweiten Kooperationsverbund zusammengeschlossen, um die gesundheitliche Chancengleichheit zu fördern. 16 Regionale Knoten vertreten den Verbund in den Bundesländern.
Über Ziele und Aktivitäten informiert die Internetplattform


