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Mann und Gesundheit

Ein Arbeitskreis der Gemeinsamen Gesundheitskonferenz der Stadt Erlangen und des Landkreises Erlangen-Höchstadt

Wolfgang Heidner-Ziebell

Der Arbeitskreis "Mann und Gesundheit" wurde 2005 vom Gesundheitsamt in Erlangen im Rahmen der gemeinsamen Gesundheitskonferenz (GGK) der Stadt Erlangen und des Landkreises Erlangen-Höchstadt ins Leben gerufen. Hier hatte sich auch schon seit geraumer Zeit ein Arbeitskreis "Frau und Gesundheit" etabliert. Teilnehmer des Arbeitskreises waren und sind Vertreter aus Bildungseinrichtungen, Beratungsstellen, betrieblichen Sozialdiensten, sozialen und kirchlichen Diensten, aber auch Privatpersonen. Es ist allgemein bekannt, aber auch in der wissenschaftlichen Literatur belegt, dass Männer im Gegensatz zu Frauen, weniger aufmerksam und sensibel mit ihrer Gesundheit und ihrem Körper umgehen und sich auch weniger mit gesundheitlichen Themen auseinandersetzen.

Dazu einige Fakten:

  • Männer haben in der Regel eine fünf Jahre geringere Lebenserwartung als Frauen (Männer ca. 78 Jahre, Frauen ca. 83 Jahre).
  • Männer erleiden im Schnitt zehn Jahre früher einen Herzinfarkt als Frauen.
  • Nur 25% der anspruchsberechtigten Männer gehen zur Krebsfrüherkennung, dagegen 40% der Frauen. Viele Krebsarten sind bei rechtzeitiger Diagnose gut therapierbar oder sogar heilbar.
  • Die geringere Lebenserwartung der Männer ist ganz überwiegend nicht erblich, sondern durch einen wenig gesundheitsbewussten Lebensstil bedingt. Rauchen, starkes Übergewicht und übermäßiger Alkoholkonsum sind die Hauptrisikofaktoren für die meisten Erkrankungen.

Der Arbeitskreis wollte deshalb durch verschiedene Angebote ein Forum bieten, in dem sich Männer über gesundheitsrelevante Themen informieren können, aber auch der Diskussion ein breiterer Raum gegeben wird. Unter Gesundheit versteht der Arbeitskreis nicht nur einen biologisch-körperlichen Vorgang, sondern versucht ihn auch in seinen psychischen, sozialen und gesellschaftlichen Aspekten zu erfassen.

Das erste Angebot in Form von Workshops (Der bewegte Mann/Körpererfahrungen, Männergeschichten/AktuelleThemen, Männerwünsche/Lebensverläufe) im Jahr 2005 fanden kaum Resonanz.

Im folgenden Jahr wurde dann mit einem Kombinationsangebot experimentiert. Zum einen wurden zwei Vorträge zum Thema "Männerleben – Von der Kunst, als Mann gesund zu bleiben" unter medizinischen (Urologe), aber auch psychosomatischen Gesichtspunkten (Psychologe) angeboten.

Diese Vorträge mit anschließender Diskussion wurden sehr gut angenommen. Der im Zusammenhang angebotene Workshop einige Tage später war wiederum kaum nachgefragt.

Nach ausführlicher Diskussion im Arbeitskreis kam man zu dem Schluss, dass das Workshopangebot wohl eine im Augenblick nicht angemessen Form sei. Die Hemmschwelle, sich als Person direkt in eine Veranstaltung einzubringen, schien zu hoch.

Deshalb ging der Arbeitskreis dann dazu über, erst einmal regelmäßige Vortragsveranstaltungen mit anschließender Diskussion zu initiieren. Dabei wurde immer wieder versucht, das Themenspektrum möglichst breit anzulegen. "Sexualität," "Wechseljahre", "Männerdepression", "Männer altern anders", "Männer im Ruhestand", "Männer sind so verletzlich ..." und "Leben in Balance" waren weitere Themen. Außerdem werden bei der Themenfindung die nach der Veranstaltung durchgeführten schriftlichen Besucherbefragungen (Qualitätsmanagement) ausgewertet. Mit den Referenten werden vorher die Ziele des Projektes so wie die Inhalte des jeweiligen Vortrages ausführlich besprochen. Die Referenten werden in der Regel aus dem regionalen Umfeld, in einzelnen Fällen auch überregional ausgesucht. Vorraussetzung für die Auswahl ist eine dokumentierte Fachlichkeit für das Thema, so wie die Fähigkeit, das Thema in ansprechender Weise darzustellen und offen zu kommunizieren.

Die Veranstaltungen wurden von Anfang an am gleichen Ort, dem "Haus der Gesundheit" in Erlangen, einem zentralen und bekannten Ort für gesundheitliche Themen, durchge-führt. Der Vortragsraum bietet einen angenehmen Rahmen und ist auch für Rollstuhlfahrer zugänglich. Außerdem werden in der Regel Getränke angeboten, die vor der Veranstaltung oder in der Pause konsumiert werden können, um auch Möglichkeiten zur Kommunikation zwischen den Besuchern zu bieten. Durch einen relativ geringen Kostenbeitrag von 3,00 Euro sollen die Veranstaltungen für jeder Mann/jede Frau bezahlbar sein, aber auch signalisieren, dass sie einen gewissen Wert haben. Frauen werden in den Ankündigungen aus-drücklich willkommen geheißen, da sie erfahrungsgemäß auch Initiatoren für gesundheit-liche Aktivitäten von Männern sein können.

Die Werbung erfolgt einerseits über einen regionalen Presseverteiler, über eine vorhandene Liste interessierter Männer, über Handzettel oder Flyer, die an publikumsrelevanten Orten ausgelegt werden, und vor allem über Plakate, die in Gemeinden, kirchlichen Einrichtungen, großen Firmen, Volkshochschulen, Bädern und weiteren Orten ausgehängt werden, die einer hohen Frequentierung unterliegen. Das Plakat mit dem immer gleich bleibenden Hintergrunddesign wurde von einem professionellen Designerbüro entwickelt und unter mehreren Vorschlägen vom Arbeitskreis ausgewählt.

Es wurde mit verschiedenen Veranstaltungsterminen experimentiert, wobei keine eindeutige Favorisierung zu erkennen war (Samstag am Vormittag oder werktags am Abend). In der Regel finden nun die Veranstaltungen am Abend in der Mitte der Woche statt.

Die Frequentierung der einzelnen Veranstaltungen lag zwischen 20 und 70 Personen. Die am besten besuchten Veranstaltungen waren "Männerdepression" und "Männer im Unruhestand". Am wenigsten Zuspruch fand leider die Veranstaltung "Männer sind so verletzlich …" über das männliche Suchtverhalten.

Bei jeder Veranstaltung waren immer einige Frauen anwesend, die teilweise auch alleine kamen. Erfreulich ist, dass sich zwischenzeitlich ein gewisser Stamm von Männern herausgebildet hat, der fast an jeder Veranstaltung teilnimmt.

Nach jedem ca. einstündigem Vortrag besteht jedes Mal die Möglichkeit einer ca. halbstündigen Diskussion, die auch immer genutzt wird.

Mit den verschiedenen Themen sollen Männer aller Altersgruppen (ab ca. 30 Jahren) angesprochen werden, obwohl die Praxis gezeigt hat, dass der Altersschwerpunkt zwischen 40 und 60 Jahren liegt.

Der Arbeitskreis "Mann und Gesundheit" hat sich zwischenzeitlich auch mit dem "Männerforum" in Herzogenaurach vernetzt, um gegebenenfalls interessante Themen auszutauschen. Virtuell ist der Arbeitskreis mit dem Internetnetzwerk "Network für Männergesundheit" und dem BZgA-Newsletter "Männergesundheit" verbunden. In der "Medizinstadt Erlangen", einer von der Universität und der Firma Siemens geprägten Stadt mit vielfältigen Angeboten zum Thema Gesundheit, ist das Projekt "Männergesundheit" nur eines von vielen. Es bedarf deshalb weiterer kontinuierlicher Arbeit, um diesem Thema die notwendige Aufmerksamkeit zu schenken.

Um reinen Aktionismus zu vermeiden, muss es im Hinblick auf die Männergesundheit zukünftig langfristige Strategien geben, die über das Werben für Vorsorgeuntersuchungen hinaus gehen. Wie oben schon erwähnt, wird es darauf ankommen, den risikoreichen und oft ungesunden Lebensstil von Männern positiv zu beeinflussen. Dafür bedarf es zum einen einer frühzeitigen Hinführung schon im Kindergartenalter zum Thema Körper und Gesundheit, die sich dann kontinuierlich weiter fortsetzen muss. In den späteren Lebensaltern, wie im dargestellten Projekt, wird das Thema nur Interesse finden, wenn es positiv und für Männer interessant dargestellt wird. Der pädagogische Zeigefinger scheint kontraproduktiv.

Was die weiteren Planungen des AK Männergesundheit anbelangt, so schiene auch ein Männergesundheitstag erstrebenswert, was aber im Augenblick die logistischen Möglichkeiten des Arbeitskreises etwas überschreitet.

Kontakt

Wolfgang Heidner-Ziebell
Landratsamt Erlangen-Höchstadt – Gesundheitsamt
Sozialer Beratungsdienst
Schubertstraße 14, 91052 Erlangen
Tel. 09131-7144-448, Fax 09131-7144-27
wolfgang.heidner-ziebell@erlangen-hoechstadt.de
www.erlangen-hoechstadt.de/gesundheitsamt