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NO ALC FOR KIDS

Stärkung des Kassenpersonals von Supermärkten hinsichtlich der Einhaltung des Jugendschutzgesetzes

Präventionskreis im Suchtarbeitskreis Weilheim-Schongau

Hintergrund

Bei Jugendlichen liegt der Alkohol trotz eindeutiger Bestimmungen zum Jugendschutz an erster Stelle der missbräuchlich konsumierten Substanzen. Anfang des Jahres 2007 gab es im Landkreis Weilheim-Schongau mehrere Vorfälle mit Alkoholexzessen von Jugendlichen. Daraufhin wandten sich besorgte Eltern an den Präventionskreis des Suchtarbeitskreises Weilheim-Schongau mit dem Anliegen, den Alkoholverkauf an Jugendliche einzudämmen.
Hinter jedem Jugendlichen, der einen Vollrausch erleidet, steht mindestens ein Erwachsener, der Gesetze übertreten hat – seien es Verkäufer oder (junge) Erwachsene, die Alkohol leichtfertig und ohne Nachfrage an Jugendliche ab- oder weitergeben. Das Unrechtsgefühl und Verantwortungsbewusstsein sind oft nur gering ausgeprägt. Und genau das wollen wir ändern.

Gemeinsam erarbeiteten wir ein Konzept, um Supermärkte, Tankstellen und Getränkemärkte mit ins Boot zu holen. Verkäuferinnen und Verkäufer sind das entscheidende Glied in der Kette, wenn Kinder bzw. Jugendliche Alkohol besorgen wollen.

Ziele

Unser Ziel war es, das jeweilige Kassenpersonal bezüglich Einhaltung des Jugendschutzgesetzes zu stärken und dafür Schulungen anzubieten. Nach erfolgreicher Teilnahme des Personals und Unterstützung durch die Marktleitung werden Urkunden und von Jugendlichen gestaltete Aufkleber und Plaketten überreicht, die den Markt für dieses besondere Engagement auszeichnen.

Umsetzung

In Weilheim waren der Real-Markt und der Rewe-Markt sofort bereit, sich an dem Projekt zu beteiligen. Bis zum 15. Juni 2007 nahm deren Kassenpersonal (insgesamt 27 Personen) an den Schulungen teil, die von Fachleuten aus dem Suchtarbeitskreis gehalten wurden. Die jeweils zweistündigen Schulungen bezogen sich sowohl auf Alltagssituationen an der Kasse (bearbeitet in Rollenspielen) als auch auf die gesetzlichen Grundlagen. Inhalte waren unter anderem:

  • Diskussion: "Ist Ihnen das Thema 'Jugend und Alkohol' schon begegnet?", "Welche persönlichen Erfahrungen haben Sie?"
  • Darstellung der Situation im Landkreis; Einführung in das Jugendschutzgesetz
  • "Die Kasse ist ein kritischer Schnittpunkt": Warum wird nicht immer nach dem Alter gefragt? Was passiert, wenn man nachfragt und den Ausweis verlangt? Austausch über schwierige Situationen, z.B. Zeitdruck; die Kassiererin kennt den jugendlichen Kunden; mehrere Jugendliche kaufen gemeinsam ein.
  • Bearbeitung von Alltagssituationen an der Kasse in Rollenspielen: Die Teilnehmer
    spielen Jugendliche, Kassenkraft und wartende Kunden; Erarbeitung von Regeln für die Kassenkräfte: freundlich bleiben, nur Personalausweis akzeptieren, als Team auftreten.
  • Was passiert als nächstes in unserer Filiale? Vorstellung der Hilfsmaterialien (Aufkleber, Handzettel, s.u.)

Das Personal wurde für die Schulung von der Marktleitung freigestellt. Die Rückmeldungen zum Inhalt waren sehr positiv; alle Mitarbeiter begrüßten es, in die Suchtvorbeugung einbezogen zu werden.

Am 15. Juni 2007 wurde den beiden Märkten jeweils eine Urkunde zur erfolgreichen Teilnahme überreicht. Sie erhielten zudem Aufkleber "NO ALC FOR KIDS" für die Warenbänder und große Plaketten zum Aufhängen über den Alkoholregalen. Das Logo "NO ALC FOR KIDS" war in einem Schülerwettbewerb am Gymnasium Weilheim entstanden.
Außerdem erhielten die Supermärkte die Handzettel "SORRY KIDS!" zur Weitergabe an Jugendliche, denen kein Alkohol verkauft wird bzw. für Erwachsene, die Alkohol mutmaßlich an Jugendliche weitergeben. Die Handzettel enthalten Hinweise zum Jugendschutzgesetz und nennen örtliche Beratungsstellen, an die sich Jugendliche wenden können.

Das Projekt wurde Ende 2007 mit den Rewe-Märkten Peißenberg und Penzberg auf den ganzen Landkreis ausgeweitet; insgesamt haben damit 48 Supermarkt-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Schulungen besucht.
Mit der Teilnahme aller drei Rewe-Märkte im Landkreis ist die Firma Rewe Vorreiter. Wir hoffen, dass sich noch weitere Supermarktketten anschließen und wir bis Ende 2008 flächendeckend den Alkoholverkauf an Jugendliche reduzieren können. Interessierte Märkte und Tankstellen können sich jederzeit bei uns melden.

Die Umsetzung des Projektes erfolgte durch
Gabi Zeitler, Lehrerin an der Hauptschule Peißenberg
Martin Gerl, Streetworker Psychosoziale Beratungsstelle Weilheim
Ute Frohwein-Sendl, Schulsozialarbeit Hauptschule Penzberg
Michael Scharbert, Lehrer am Gymnasium Weilheim
Petra Regauer, Suchtprävention Gesundheitsamt Weilheim

Kontakt

Petra Regauer
Landratsamt Weilheim-Schongau
Gesundheitsamt
Stainhartstraße 7, 82362 Weilheim
Tel. 0881-681-1615, Fax 0881-681-2699
P.Regauer@lra-wm.bayern.de

Stand der Projektinformation: 2008